Intelligenzminderung

Gemäß Definition der Weltgesundheitsorganisation ist die geistige Behinderung durch eine unterdurchschnittliche allgemeine Intelligenz gekennzeichnet, die während der Entwicklungsperiode, d.h. während der Kindheit und Jugend, entsteht und mit einer Beeinträchtigung des adaptiven Verhaltens einhergeht. Unter dem adaptiven Verhalten ist die Fähigkeit zur selbständigen Lebensbewältigung zu verstehen. Die Intelligenz wird dabei als Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen und zum Finden optimaler Problemlösung verstanden. Sie beinhaltet nach L.L.Thurstone räumliches Vorstellungs-vermögen, Rechenfähigkeit, Sprachverständnis, Wortflüssigkeit, Gedächtnis, Wahrnehmungsgeschwindigkeit und logisches Denken. Die unvollständige Entwicklung der Intelligenz entsteht häufig  infolge zerebraler Störungen in den pränatalen, perinatalen und postnatalen Zeiträumen. Auch psychosoziale Faktoren haben einen Einfluss auf die Intelligenzminderung. Die Diagnose einer Intelligenzminderung sollte auf allen verfügbaren Informationen beruhen, wie klinischer Eindruck, Anpassungsverhalten, gemessen am kulturellen Hintergrund des Individuums und die Testpsychologie. Mittels der psychologischen Tests werden IQ-Werte ermittelt, die jedoch als Richtlinien gemeint sind. So gliedert sich die Intelligenzminderung je nach  Entwicklungsstand zusammen mit IQ-Wert in folgende Kategorien auf:
Leichte Intelligenzminderung (IQ-Bereich 50-69),
Mittelgradige Intelligenzminderung (IQ-Bereich 35-49),
Schwere Intelligenzminderung (IQ-Bereich 20-34) und schwerste Intelligenzminderung (IQ-Bereich unter 20).


Über 80% aller Intelligenzminderungen liegen im Bereich leichter Intelligenzminderung, wobei die meisten dieser Personen eine volle Unabhängigkeit in der Selbstversorgung (Essen, Waschen, Anziehen, Darm- und Blasenkontrolle) und in praktischen und häuslichen Tätigkeiten haben. Die Hauptschwierigkeiten treten bei der Schulausbildung auf, viele Betroffene haben besondere Probleme beim Lesen und Schreiben. Durch spezielle Fördermaßnahmen sind die meisten dieser Personen für eine Arbeit anlernbar (Werkstätte für Menschen mit Behinderung) und haben eine dauerhafte Arbeitsleistung bis ins hohe Alter. Menschen mit Intelligenzminderung sind empfindlich für psychiatrische Störungen, die in dieser Population im Vergleich  mit Allgemeinbevölkerung drei- bis viermal häufiger vorkommen. Die medizinische und therapeutische Betreuung von psychisch kranken Menschen mit Lerndefiziten erfolgt durch spezialisierte Ambulanzen der psychiatrischen Fachkliniken.