Ist diese Erkrankung eine Spaltung der Person?

Das Wort „Schizophrenie“ besteht aus den griechischen Wörtern für Seele und Zwerchfell. Man ging früher davon aus, dass die Seele hierbei zweigeteilt erlebt wird und wirklich erleben die betroffenen Personen die Wirklichkeit in zweierlei Weise: Zum einen eine Wirklichkeit, die auch von anderen Menschen wahrgenommen wird und zum anderen eine Wirklichkeit, die nur sie erleben und persönlich auf sich bezogen erleben.

So kann das Erleben gefärbt sein von Ängsten, Fehldeutungen und Fehlwahrnehmungen. So kann es sein, dass nebensächliche Dinge Züge eines Gesamtkonzeptes bilden, die der Betroffene auf sich bezogen erlebt.

So „spaltet“ sich das Denken, Fühlen und Wahrnehmen der Betroffenen auf und werden nicht mehr als eine Einheit erlebt. Die Funktionen fallen auseinander und die Betroffenen finden sich nicht mehr zurecht.

Schizophrenie als Informationsverarbeitungsstörung

Nach heutiger Erkenntnis liegt ein vorübergehender Überschuss des Botenstoffs Dopamin im Gehirn vor. Dadurch werden Sinnesreize der Umgebung im Gehirn falsch verarbeitet und es kommt zu Wahrnehmungsstörungen wie z.B. akustischen und optischen Halluzinationen.

Normalerweise werden alle Reize der Außenwelt vom Gehirn in wichtige und unwichtige Informationen gefiltert. Liegt ein Dopamin-Überschuss im Gehirn vor, ist der Reizfilter im Gehirn gestört, so dass auch nebensächliche Reize beim Gehirn eintreffen und den Organismus überfluten. Es kommt zu einer Überforderung des Betroffenen.

So müssen in akuten Phasen die Betroffenen vor Reizüberflutung geschützt werden und es kann medikamentös eingegriffen werden mit sog. Antipsychotika, die anti-dopaminerg wirken.

Schizophrenie und Stress und Überbelastung

Stress bewirkt im Allgemeinen einen verminderten Widerstand gegenüber Krankheiten jeder Art. Genauso verhält es sich auch bei der Schizophrenie. Bei Überbelastung ist die Fähigkeit des Organismus herabgesetzt, sich vor Reizüberflutung zu schützen und es kann zum Ausbruch einer erneuten Episode dieser Erkrankung kommen.

Deshalb sind neben der medikamentösen Behandlung eine psychosoziale Begleitung und psychotherapeutische Gespräche wichtig.

Individuell angepasste Lebensführung und ausreichende Psychoedukation durch Information über die Erkrankung sind besonders wichtig.

Plus- und Minussymptome

Als Plussymptome werden diejenigen Symptome oder Krankheitszeichen bezeichnet, die bei einer gesunden Person nicht vorhanden sind. Diese sind beispielsweise: Halluzinationen und Wahngedanken.

Als Minussymptome werden diejenigen Symptome bezeichnet, die beim Kranken fehlen, beim Gesunden aber vorhanden sind. So kann es bei Betroffenen zu einer Verminderung der Affektivität kommen und zu einer erheblichen Antriebsstörung, die in Lustlosigkeit und Interesselosigkeit endet.

Beide Symptomenkomplexe bedeuten eine erhebliche Einschränkung im normalen Leben und müssen in der Behandlung mitberücksichtigt werden.

Wahnhaftes Erleben

Bei schizophrenen Erkrankungen können Wahninhalte vorhanden sein, wie z.B. die Überzeugung verfolgt zu werden (paranoider Wahn). Wahnideen sind individuelle irrationale unkorrigierbare Überzeugungen, die die Betroffenen im Leben leiten und sie sehr ängstigen können. Diese können auch unabhängig von schizophrenen Erkrankungen auftreten. 

Die Behandlung

Ca. 1 % der Bevölkerung erkrankt an einer Schizophrenie. Davon genesen nach einer einzigen Episode ca. 10 bis 15 % aller Betroffenen. Bei ca. einem Drittel der Betroffenen kommt es immer wieder zu Krankheitsepisoden, dazwischen genesen diese aber weitgehend vollständig. Bei den restlichen Kranken kommt es immer wieder zu Episoden. Sie remittieren nicht vollständig und es kann auch zu einer zunehmenden chronischen Verschlechterung kommen.

Wichtig ist eine frühzeitige medikamentöse psychosoziale und psychotherapeutische Behandlung, da der Verlauf dadurch erheblich positiv beeinflusst werden kann.