Historie

Die Geschichte des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren

1826   Es wurde geplant, aus dem säkularisierten Benediktinerkloster Irsee eine
Pflegeanstalt für psychisch Kranke zu machen.

1849   Eröffnung der Pflegeanstalt für Geisteskranke in dem Stiftsgebäude Kloster Irsee unter der offiziellen Bezeichnung "Kreis-Irrenanstalt Irsee"

1869   Beschluss des Landrates, die "Kreis-Irrenanstalt" nach Kaufbeuren zu verlegen

1872   Baubeginn der "Kreis-Irrenanstalt" in Kaufbeuren

1876   Eröffnung der "Kreis-Heil- und Pflegeanstalten" bei Kaufbeuren mit ca. 150 Betten.  Irsee wurde zur Pflegeanstalt für Langzeitpatienten.

1914 – 1918  Einrichtung eines "Lazaretts für Kriegsneurotiker"

1928   Erwerb von Bickenried als Gutshof

1930   ca. 1000 Betten

1933   Umbenennung in "Kreis-Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren- Irsee"

1936   Erbauung des Festsaals

1939 - 1945   2. Weltkrieg - "Euthanasie"*

1941 - 1946  Kinderabteilung zur "Erforschung von erb- und anlagebedingten schweren psychischen Leiden"

1946   Einrichtung einer psychiatrisch-neurologischen Ambulanz
Umbenennung in "Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren"

1947   Erster offizieller Lehrgang der Krankenpflegeschule, bei dem nach dem
Krankenpflegegesetz ausgebildet wurde

1948   Eröffnung einer neurologischen Abteilung

1950   Wiedereröffnung der Kinderabteilung

1958   Eröffnung des Schwesternheimes

1960   ca. 1350 Betten 

1961   Eröffnung des Arbeitstherapiehauses

1964   Umbenennung in "Nervenkrankenhaus Kaufbeuren"

1966   Auflösung der Kinderabteilung

1967   Einrichtung einer Schwesternvorschule

1972   Auflösung der Pflegeanstalt Irsee, dadurch Bettenreduzierung auf ca. 1100

1975   Erste gemischte Station (GN 5)

1976   Umbenennung in Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren

1978   Erste Station mit 9 Betten zur Behandlung von Menschen mit Alkoholerkrankungen
(GN 5).

1982   Erster Kurs der Fachweiterbildung zur Fachschwester (-pfleger) für Psychiatrie
Eröffnung der Institutsambulanz

1984   Erste offene gemischte Aufnahme- und Entgiftungsstation mit
25 Betten (C 4)

1986   Eröffnung des Bezirkskrankenhauses Kempten

1992   Eröffnung einer psychiatrischen Tagesklinik mit 12 Plätzen

1994   Änderung der Betriebsform: Vom Regiebetrieb in einen
Eigenbetrieb des Bezirk Schwaben

1994   Eröffnung einer psychiatrischen Abteilung am 
Krankenhaus Memmingen

1995   Eröffnung einer Suchttagklinik  
Eröffnung einer Station zur Behandlung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen

1996   Umstrukturierung einiger Stationen als offiziellen
Heimbereich „Landhaus am Kaiserweiher“
„Psychiatrisch-therapeutisches Pflegeheim“

Januar 1999  Eröffnung der „Villa Schönblick“ (heilpädagogisches Heim)

Juli 1999  Eröffnung der psychiatrischen Tagesklinik in Lindau

Oktober 2000  Einführung eines Liaisondienstes im Klinikum Kaufbeuren/Ostallgäu (Modellprojekt des Bundesministeriums für Gesundheit)

Mai 2001  Eröffnung der "allgäu akademie", einer  Bildungsstätte für Pflegeberufe, für psychiatrische Fort- und Weiterbildung und gerontopsychiatrische Fort- und Weiterbildung

April 2002   Gründung der „Blauen Blume“ in Kaufbeuren, einem Zentrum für seelische Gesundheit im Alter

Oktober 2003  Eröffnung des intensiv Betreuten Wohnens Buchloe

2003 Eröffnung der ersten Psychotherapie-Station

Januar 2004  Gründung der Forensischen Klinik in Kaufbeuren und der Psychotherapie-Station

April 2005 Einführung der Integrierten Versorgung

Oktober 2007  Entstehung der „Blauen Blume“ Mindelheim 

Oktober 2007  Eröffnung der psychiatrischen Sprechstunde Schwabmünchen

Oktober 2007  Eröffnung der psychiatrischen Sprechstunde Füssen, der Russland-Sprechstunde, sowie der  Sprechstunde der Lebenshilfe

2007 Eröffnung der zweiten Psychotherapie-Station

Januar 2009  Umzug der Neurologie ins Klinikum Kaufbeuren

Februar 2009 Eröffnung der psychoonkologischen Sprechstunde im Klinikum Kaufbeuren

September 2012 Eröffnung der interdisziplinären Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Tagesklinik

 
* "Euthanasie" in Kaufbeuren und Irsee

Im Jahr 1940/41  wurden 695 Patienten von der Anstalt in Tötungsanstalten verlegt (Grafeneck/Würthemberg und Hartheim/Österreich). Zu diesem Zweck wurde eine "gemeinnützige Krankentransportgesellschaft", die sog. grauen Busse, gegründet .

Da die Verlegungsaktionen zu viel Aufsehen in der  Öffentlichkeit bewirkten, wurde ab August 1942 die sog. Aushungerungsmethode, auch Entzugskost genannt, praktiziert. Diese "Kost" bekam, wer für die "Volksgemeinschaft" "nichts mehr leisten konnte".

Die Sterblichkeitsrate stieg daraufhin in Kaufbeuren um 300%, in Irsee um 43 %. Die vergleichsweise niedrigere Rate in Irsee ist auf das Engagement von Schwestern und Pflegern zurückzuführen, die aus ethischen Gründen die Anweisungen nicht umsetzten.

Ab dem Jahr 1944 wurden Spritzen und Pulver zur Tötung von weiteren 450 Patienten verwendet (Veronal, Luminal und Morphium). Da die Friedhöfe in Kaufbeuren und Irsee angesichts der vielen Toten zu klein wurden,  wurde im Anstaltsgelände in Kaufbeuren ein eigenes Krematorium errichtet.


Literaturhinweise

Das erzwungene Sterben von Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee zwischen 1940 und 1945 nach Dokumenten und Berichten von Augenzeugen
Autor: Ernst T. Mader
Verlag: An der Säge, Blöcktach, 1982

Die bayerischen Heil- und Pflegeanstalten in der Zeit des Nationalsozialismus
Autoren: Dr. Michael von Cranach, Hans-Ludwig Siemen
Verlag: Oldenburg Verlag München