Rote Zahlen gab es bei ihm nicht

Winfried Eberhardinger ist ein Mann, der nicht gerne im Mittelpunkt steht. Nun aber rückte der Verwaltungsrat der Bezirkskliniken Schwaben mit Martin Sailer an der Spitze den 65-Jährigen in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Führungskräften des Gesundheitsunternehmens verabschiedete das Gremium den langjährigen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Bezirkskliniken in den Ruhestand. Offiziell scheidet Eberhardinger Ende Januar 2021 aus. Dann wird er seinem Arbeitgeber – zunächst der Bezirk Schwaben, dann die Bezirkskliniken -  knapp 42 Jahre die Treue gehalten haben.

Winfried Eberhardinger begann nach abgeschlossenem Betriebswirtschaftsstudium seinen Dienst beim Bezirk am 1. April 1979. Zunächst leitete er am Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg das Referat Rechnungswesen. 1988 kam er nach Augsburg, wo er zur Gründungsriege des dortigen BKH zählte. Die Klinik ging 1989 in Betrieb. 2006 wechselte Eberhardinger als stellvertretender Werkleiter in die Werkleitung der damaligen Eigenbetriebe Bezirkskrankenhäuser und Heime. Bei der Gründung des Kommunalunternehmens Bezirkskliniken Schwaben 2008 wurden er und Thomas Düll Vorstände. Wolfram Firnhaber als drittes Mitglied in diesem Gremium kam 2019 hinzu.

Bezirkstagspräsident Martin Sailer, zugleich Verwaltungsratsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, würdigte die Verdienste Eberhardingers. Dieser hatte bei der vorangegangenen Sitzung des Verwaltungsrates, die genauso unter Corona-Bedingungen stattfand wie die anschließende Verabschiedung, den Wirtschaftsplan 2021 der Bezirkskliniken vorgestellt. Und wie in all den Jahren zuvor stehen hier schwarze Zahlen zu Buche. „2020 wird ein wirtschaftlich sehr gutes Jahr für das Kommunalunternehmen sein“, stellte der Verwaltungsratsvorsitzende fest. Man hätte aber ein etwas schlechteres Ergebnis in Kauf genommen und stattdessen lieber auf Corona verzichtet. „2020 ist ein Jahr, das uns alle – ungeplant – gefordert hat. Sie und alle, die Verantwortung tragen, haben das Haus durch eine extrem schwierige Zeit geführt, die ja noch nicht zu Ende ist. Dafür danke ich Ihnen“, meinte Sailer.

Winfried Eberhardinger wird als loyal beschrieben; laut Sailer zeichnet er sich durch seinen Gerechtigkeitssinn, sparsames Wirtschaften und generell großem Geschick mit allem, was Zahlen anbelangt, aus. Nicht umsonst wird er betriebsintern „Herr der Zahlen“ genannt. „Ja, das ist so. Er ist ein Mann, der sparsame, auch sehr konservative Haushalte aufstellt“, so Sailer. Er sei aber auch jemand, dem das Haus am Herzen lag und die Verbundenheit mit den Mitarbeitenden hat. Passend dazu überreichte der Verwaltungsratsvorsitzende dem scheidenden Vorstandsmitglied eine Torte, die ein Zahlenlabyrinth darstellt. Lediglich eine Farbe fehlt: Rot. „Denn rote Zahlen gab es bei Herrn Eberhardinger nicht“, so Sailer schmunzelnd.

Eberhardingers Name sei mit dem Aufbau des Bezirkskrankenhauses (BKH) Augsburg verbunden, so der Bezirkstagspräsident. „Ein Standort, der sich in den vergangenen Jahren unglaublich weiterentwickelt hat.“ Inzwischen ist das BKH nicht nur Klinik für Psychiatrie, Psychiatrie und Psychosomatik der Universität Augsburg, sondern mit 358 Behandlungseinheiten auch größtes psychiatrisches Versorgungszentrum Schwabens. Außerdem trägt Eberhardinger seit 2008 als einer der beiden Geschäftsführer der Klinikküche Kaufbeuren-Ostallgäu Verantwortung.

Sailer wünschte dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden, dass er gesund bleibt und nun das nachholt, was während seiner beruflichen Tätigkeit zu kurz gekommen ist. Winfried Eberhardinger, der mit seiner Familie in Neusäß lebt, ist leidenschaftlicher Wanderer und Fahrradfahrer.

Als er beim Bezirk begonnen hat, gab es lediglich zwei Bezirkskrankenhäuser in Schwaben, so Eberhardinger. „Eins für den Norden, eins für den Süden. Die beiden haben sich klar voneinander abgetrennt.“ Während das BKH Günzburg damals noch über 1000 stationäre Betten verfügte, waren es in Kaufbeuren 1200 Betten. An beiden Standorten gab es jeweils einen großen Arbeitstherapiebereich mit Korbflechten, Tütenkleben, Gärtnerei und Gutshof, wo auch noch Patienten mitarbeiteten.  Die folgende Umsetzung der Psychiatriereform sei mit einer deutlichen Reduzierung der Bettenzahlen einhergegangen, blickte er zurück.

Mit der Gründung des Kommunalunternehmens folgten ein stetiges Wachstum und die Gründung von Tochterunternehmen. Dazu hatte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende - natürlich - Zahlen parat: Während die Bilanzsumme der Bezirkskliniken 2008 noch 247 Millionen Euro betrug, waren es 2019 schon 434 Millionen. Konzernweit (die Bezirkskliniken Schwaben haben mit der Übernahme des Therapiezentrums Burgau vor zwei Jahren Konzerngröße erreicht) sind es 473 Millionen Euro. Inzwischen arbeiten fast 5000 Menschen im Konzern.