Viele Gebäude tragen seine Handschrift

Seit 1998 stand er gemeinsam mit Thomas Düll als gleichberechtigter Geschäftsführer an der Spitze der Bezirksbau + Service GmbH: Nun ist Martin Feldengut offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Viele Bauvorhaben auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses (BKH) Günzburg und darüber hinaus tragen seine Handschrift. 187 Projekte waren es insgesamt, die der 66-Jährige mit seinem Team in seiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit betreut und verwirklicht hat. Dabei durchzieht insbesondere der Maßregelvollzug – also die Kliniken für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Kaufbeuren und Günzburg – seine Vita.

Die Bezirksbau + Service GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Bezirkskliniken Schwaben. Sie hat ihren Sitz im Personalwohnheim (Haus 32) auf dem Gelände des BKH Günzburg und erledigt, vereinfacht gesagt, ausschließlich Bauvorhaben im Auftrag der Bezirkskliniken. Das kleine Tochterunternehmen mit sechs Mitarbeitenden ist vergleichbar mit einem Architekturbüro. „Nur mit dem Unterschied, dass es nicht nur einfach eine Dienstleistung erbringt, sondern denkt wie der Bauherr“, stellte Martin Feldengut bei einer kleinen Verabschiedungsfeier fest. Diese fand selbstverständlich unter Corona-Bedingungen mit Abstand und unter Beachtung der Hygieneregeln im Hörsaal des BKH statt.   

Seit Gründung im Jahr 1998 – damals noch als Tochterunternehmen des Bezirks Schwaben -  leitete Feldengut gemeinsam mit Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, die Bezirksbau + Service. „Es war eine äußerst interessante, spannende Aufgabe“, zog Feldengut als Resümee.

Die Gesellschaft ist aus der Planungsgruppe der Günzburger Kreiswohnungsbau GmbH hervorgegangen, die 1993 auf Initiative von Dr. Georg Simnacher ins Leben gerufen wurde. In der Kreiswohnungsbau-Gesellschaft, die Sozialwohnungen baut, waren der Landkreis und die Sparkasse Günzburg sowie das Kernkraftwerk Gundremmingen vertreten. Ab 1998 war die Bezirksbau für mehrere Jahre in der Alten Pforte an der Reisensburger Straße in Günzburg zu finden. Martin Feldengut war vom ersten Tag an dabei. Heute betreibt „Wohnen und Fördern“ dort eine Tagesstätte. Am 1. Dezember 2008 wurden die Geschäftsanteile auf die Bezirkskliniken Schwaben übertragen.

Herausragend in der langen Liste seiner Projekte ist der Neubau der Forensischen Klinik am BKH Günzburg. „Es sollte nicht ausschauen wie ein Gefängnis und auch die Patienten sollten nicht das Gefühl haben, sie seien in einer Justizvollzugsanstalt“, so Feldengut. Auch für den Umbau und die Erweiterung der Forensischen Klinik in Kaufbeuren waren er und sein Team maßgeblich verantwortlich.

„Sie haben im Maßregelvollzug in Günzburg und Kaufbeuren Maßstäbe gesetzt. Beide Einrichtungen kommen praktisch ohne vergitterte Fenster und Stacheldraht aus. Trotzdem wurde jeweils eine sichere Außenhaut geschaffen“, lobte Düll. Den markanten rot-schwarzen Bau der Forensik in Günzburg bezeichnete der Vorstandsvorsitzende als „architektonisches Meisterwerk“. Feldengut habe auch bei vielen anderen Projekten wie beim Neubau des OP (Haus 26), der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA; Haus 27), und der Berufsfachschulen Spuren hinterlassen. Ebenfalls stilprägend würden die Gebäude der neuen Psychiatrie werden, die in den kommenden Jahren auf dem Günzburger BKH-Gelände entstehen werden, ist sich Düll sicher.

„Wir können über alle Projekte froh sein und hatten stets das Glück, die Bezirksbau hier am Ort zu haben“, sagte Regionalleiter Wilhelm Wilhelm. Der Regionalleiter Nord der Bezirkskliniken äußerte sich positiv über die „zeitlose Architektur“, die hier entstanden sei. Sie sorge für Nachhaltigkeit und bürge für Qualität. Die Bezirksbau mit ihrem scheidenden Geschäftsführer habe zudem bei den zahlreichen Sanierungen viel Fingerspitzengefühl gezeigt, um das Bestehende zu bewahren, meinte Wilhelm. Wichtig sei, nicht nur eine gute Architektur zu schaffen, sondern auch eine, in der sich der Mensch gut aufgehoben fühlt. Das ist den Architekten nach Ansicht des Regionalleiters gut gelungen.

Interessant zu wissen ist, dass die Bezirksbau nicht nur Krankenhäuser geplant hat, sondern auch andere Einrichtungen wie zum Beispiel den schwäbischen Fischereihof in Salgen (Unterallgäu). „Wir waren auch beim Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren und beim Volkskundemuseum Oberschönenfeld tätig“, berichtete Feldengut.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bezirkskliniken Schwaben, Winfried Eberhardinger, dankte als Vertreter der Gesellschafterin den beiden scheidenden Geschäftsführern. Neben Feldengut scheidet zum 1. Januar 2021 auch Thomas Düll aus (wir berichteten). Der entscheidende Vorteil einer eigenen Bau-GmbH sei, dass sie sich nach Abschluss der Dienstleistung „nicht so leicht vom Acker machen“ könne, sondern  stattdessen auch danach noch greifbar sei, so Eberhardinger. Die erfolgreiche Arbeit des Büros habe sich in vielen Jahren zudem durch gute wirtschaftliche Ergebnisse ausgedrückt.   

Feldenguts ursprünglicher Plan war, zum 1. Januar 2020 mit 65 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Weil sich die Suche nach einem Nachfolger allerdings schwieriger gestaltete als gedacht, hängte er noch ein halbes Jahr dran. Allerdings nur noch in Teilzeit, um die Geschäftsführer- und Büroleitertätigkeit auszuüben. Feldenguts Nachfolger und damit neuer Geschäftsführer der Bezirksbau + Service GmbH wurde zum 1. Juli 2020 der 49-jährige Dominik Papst. Dieser wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Kellmünz (Kreis Neu-Ulm).

Martin Feldengut freut sich eigenen Angaben zufolge auf seinen neuen Lebensabschnitt Dieser werde geprägt sein vom Genießen des heimischen Gartens, über Malen und Zeichnen mit seiner Frau bis hin zur Musik (er ist leidenschaftlicher Gitarrist). Sportlich fit hält sich der 66-Jährige beim TSV Burgau. Nicht fehlen darf bei dieser Aufzählung „seine geliebte“ Harley Davidson, mit der er gelegentlich zu einer Ausfahrt starten will, und seine Leidenschaft als Hobbykoch. Der gebürtige Wasserburger (Stadt Günzburg) lebt mit seiner Familie im Burgauer Stadtteil Oberknöringen.